17.04.2009
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Die tragischen Helden von 1926

An jenem sonnigen Apriltag anno 1926 schreibt der FC Bern Fussballgeschichte.


Die tragischen Helden von 1926: (v.l.n.r.) Küng, Schneebeli, Schenk, Amrein, Brand, Kilchmann, Robbi, Osterwalder, Ramseyer, Stämpfli, Kirschner.

Von Jonas Dunkel

Der FC Bern hat in guten wie schlechten Zeiten beachtenswerte Cup-Erfolge geschrieben. Zum Titel hat es doch nie gereicht, auch wenn die Berner an jenem sonnigen Apriltag 1926 nahe dran waren und laut Augenzeugen den Titel verdient hätten. Was bleibt ist die Erinnerung, erster Cupfinal-Verlierer in der 83-jährigen Schweizer Cupgeschichte zu sein.

Nach britischem Vorbild wurde 1925 in der Schweiz der Cup eingeführt. Von Beginn an löste der Wettbewerb dank seinem attraktiven Modus eine besondere Faszination aus. Teams, die in der Meisterschaft chancenlos blieben oder in unteren Spielklassen spielten, erhielten im Cup die Chance mit einem Kraftakt für eine Sensation zu sorgen. Der FC Bern war in der Saison 1925/26 alles andere als ein Aussenseiter: In der ersten Hälfte der 1920er Jahre etablierte sich der Verein als nationale Spitzenmannschaft. Im Frühjahr 1923 wurde dem FC Bern am grünen Tisch der Schweizer Meistertitel aberkannt. 1924 wurde die schmucke Sportanlage Neufeld eröffnet. 1925 wurde der FC Bern vor dem FC Aarau abermals Meister der Zentralschweiz und nach dramatischen Finalspielen gegen die Young Fellows und Servette undankbarer Vizemeister. Die Einführung des attraktiven Cup-Wettbewerbs kam für den formstarken FC Bern folglich gerade zur rechten Zeit, wollte man nach der hauchdünn verlorenen Meisterschaft 1925 und dem aberkannten Triumph 1923 doch endlich einen Titel einheimsen.

Im Final war das Glück aufgebraucht

Im ersten Cupfinal der Geschichte unterlag der FC Bern dem Grasshopper-Club im Letzigrund mit 1:2. 9000 Schaulustige wohnten dem Spiel bei, das spielerisch auf bescheidenem Niveau gehalten wurde. Die "Schweizerische Fussball- und Athletik-Zeitung" konstatierte, dass die Berner mehr für die Offensive getan- und die Grasshoppers den Sieg nicht ganz verdient hätten. Der Anschlusstreffer durch den Berner Küng zum 1:2 in der 83. Minute kam zu spät. Offenbar war das Berner Cup-Glück aufgebraucht, das sie zuvor in Anspruch genommen hatten. Denn es war eine fulminante Berner Leistung in diesem ersten Cupwettbewerb. Nach Siegen gegen die unterklassigen Gegner Montreux-Sports (Promotion, heute NLB) und Stade Nyonnais (ebenfalls Promotion) wartete im Achtelfinal der grosse Rivale, der BSC Young Boys. Zu diesem Zeitpunkt waren die Young Boys ein nationales Spitzenteam, das im Gegensatz zum FC Bern bereits fünf Mal den Schweizermeister Titel errungen hatte. Auch in der Meisterschaft lag der FC Bern in der Serie A "Zentral" hinter dem Stadtrivalen zurück. In jenem Achtelfinalspiel bezwang Bern seinen Rivalen mit 3:1 und feierte einen historischen Triumph. Im Viertelfinal gastierten die Blue Stars aus Zürich (Serie A "Ost") auf dem Neufeld. Dank einem überzeugenden 2:0 über die Zürcher, zog der FC Bern in den Halbfinal ein, wo er die grosse Sensation schuf. Die Berner statteten dem amtierenden und späteren Meister Servette Genf einen Besuch mit nachhaltiger Wirkung ab. Dank dem Tor von Stämpfli eine Viertelstunde vor Schluss, stiess Bern die Servettiens aus dem Wettbewerb, um später den besagten Final gegen die Grasshoppers auszutragen.

Faszination und Mythos

Der Schweizer Cup hat bis heute nicht an seiner Popularität verloren. Er ist Ursprung von Mythen und Heldengeschichten. Der Cupfinal, der traditionsgemäss im Berner Wankdorf stattfindet, löst eine ähnliche Faszination aus wie das eidgenössische Schwingerfest oder das Lauberhornrennen, wie Alt-Bundesrat und Sportsfreund Adolf Ogi einst treffend verglichen hatte. Durch die Möglichkeit, in einem einzigen Spiel zu Ruhm und Ehre zu gelangen, besitzt der Wettbewerb eine einmalige Dramaturgie. Im Fachjargon wird dann oft die Floskel verwendet, dass der Cup eigene Gesetze kennt. Auch der FC Bern schlüpfte gern mal in die Rolle des Aussenseiters. In der Saison 1950/51 stiess Bern als NLB-Equipe nach dem Sieg über Cantonal Neuchâtel (NLA) bis in den Halbfinal gegen den späteren Cupsieger La Chaux-de-Fonds vor. Vor 9500 Zuschauern lag das Team nach einer halben Stunde bereits mit 0:3 in Verzug, ehe Quinche und Just mit ihren Anschlusstreffern noch einmal für Hochspannung sorgten. Der Gast aus dem Jura besiegelte die Berner Niederlage mit dem 2:4 in der 64. Minute. Für La Chaux-de-Fonds führte der Weg zur legendären Sandoz-Trophäe im Final über den FC Locarno, den man dank zwei Toren von Charles "Kiki" Antenen mit 3:2 besiegen konnte. Für den FC Bern war der Halbfinaleinzug ein Zeugnis für die gut verlaufene Saison, an deren Ende der Stadtklub nach zwei Jahren in der NLB wieder ins Oberhaus aufsteigen sollte. In der Spielzeit 1957/58 kickte der FC Bern bereits wieder in der NLB. Im Cup schlüpften die Berner aber wiederum ins Gewand des unangenehmen Aussenseiters. In der 3. Hauptrunde gewann der FC Bern in Le Locle (2. Liga) nach mühsamem Krampf erst in der Verlängerung mit 2:1. Als den Bernern in der nächsten Runde der hochkarätige FC Basel zugelost wurde, traute sich wohl keiner ernsthaft an einen Coup zu denken. Doch wie aus dem Nichts gelang der Mannschaft in Basel ein sensationeller 2:1 Erfolg. Im Achtelfinal vermochte der FC Bern hingegen nicht mehr an den erfolgreichen Ausflug nach Basel anzuknüpfen. Gegen den FC Lengnau (NLB) verlor man vor eigenem Anhang mit 1:2.

Cup-Erfolge als Trostpflaster

Einen weiteren Erfolg als NLB-Mannschaft gelang dem FC Bern in den frühen 1980er Jahren, in jener Zeit also, in der sich der Club in einer existenzbedrohenden finanziellen Situation befand. In der Saison 1982/83 stieg die Mannschaft in die 1. Liga ab, nicht ohne im Cup für Aufsehen zu sorgen: Nach einem wichtigen Sieg über den FC Biel (NLB) erreichte die Mannschaft den Einzug in den Achtelfinal, wo Servette Genf wartete. Servette war in dieser Zeit neben den Grasshoppers das Mass aller Dinge. Klingende Namen wie Burgener, Geiger, Renquin, Cacciapaglia, Favre, Decastel oder Brigger streiften sich das Trikot der "Grenats" über. In dieser Saison wurde Servette nur von GC geschlagen, sowohl im Cupfinal wie auch später in der Meisterschaft. Zurück in den Achtelfinal: Vor 6600 Zuschauern im Neufeld verlor die Heimmannschaft erwartungsgemäss mit 0:3. Immerhin war das Ambiente ein Trost für die geschundenen Seelen im FC Bern. Das war auch in der Saison 1991/92 nicht anders, als der FC Bern als 1. Liga Mannschaft im Cup-Achtelfinal nach Basel reisen durfte. Der FC Basel fristete damals unter dem erfolglosen Trainer Künnecke ein Dasein in der NLB. Der einst so stolze FC Bern stieg in dieser Saison sogar erstmals in die 2. Liga ab. Mit dem Cup-Auftritt im St. Jakob Stadion grüsste der FC Bern ein letztes Mal von der grossen nationalen Sportbühne. Das Spiel ging mit 1:5 verloren und der FC Bern wartet seither auf einen neuerlichen Coup als Aussenseiter.

 

 Berner Vorstösse im Schweizer Cup

Jahr

Endstation

Begegnung

Wichtige Siege

1925/26

Cupfinal

Grasshopper-Club (A) - FC Bern (A) 2:1

Servette (A) 1:0; Blue Stars Zürich (A) 2:0; Young Boys (A) 3:1; Stade Nyonnais (B) 2:1

1926/27

Halbfinal

FC Bern (A) - Grasshopper-Club (A) 0:2

Solothurn (A) 2:1; Etoile Carouge (A) 3:0; Urania Genève-Sport (A) 3:0

1927/28

Achtelfinal

FC Bern (A) - Servette FC (A) 0:4

Zähringia Bern (1) 9:1

1930/31

Achtelfinal

FC Bern (A) - FC La Chaux-de-Fonds (A) 0:2

Forward Morges (B) 2:0; ES La Chaux-de-Fonds (A) 3:1

1932/33

Achtelfinal

FC Bern (B) - Lausanne-Sport (A) 0:4

Madretsch (1) 5:0

1933/34

Achtelfinal

FC Bern (A) - FC Biel (A) 1:3

Etoile Carouge (B) 2:0

1934/35

Halbfinal

FC Bern (A) - Lausanne-Sport (A) 1:2

Servette (A) 2:0; La Chaux-de-Fonds (A) 2:1

1935/36

Halbfinal

FC Bern (A) - Servette FC (A) 1:1, Rückspiel 2:2 (Servette dank Losentscheid im Final)

Locarno (A) 8:0; Biel (A) 2:2, 1:1, 1:0

1945/46

Viertelfinal

FC Bern (A) - Lausanne-Sport (A) 0:0, 1:4

SC Zug (B) 3:1

1946/47

Viertelfinal

FC Bern (A) - FC Grenchen (A) 0:2

Servette (A) 2:1; Thun (B) 7:1

1949/50

Achtelfinal

FC Bern (A) - Lausanne-Sport (A) 2:4

Vevey-Sports (1) 1:0

1950/51

Halbfinal

FC Bern (B) - FC La Chaux-de-Fonds (A) 2:4

Cantonal-Neuchâtel (A) 2:1; Fribourg (B) 7:0

1952/53

Achtelfinal

FC Bern (A) - Servette FC (A) 1:3

Solothurn (B) 0:0, 3:1

1953/54

Achtelfinal

Servette FC (A) - FC Bern (A) 3:2

Solothurn (B) 2:0

1957/58

Achtelfinal

FC Bern (B) - FC Lengnau (B) 1:2

Basel (A) 2:1

1959/60

Achtelfinal

FC Luzern (A) - FC Bern (B) 4:1

Alle (1) 0:0, 2:0

1982/83

Achtelfinal

FC Bern (B) - Servette FC (A) 0:3

Biel (B) 2:0

1991/92

Achtelfinal

FC Basel (B) - FC Bern (1) 5:1

Aigle (1) 1:0; SC Burgdorf (1) 6:1