
Das Leben im Exil Allmend hat der 2. Mannschaft zu Beginn der Saison Probleme bereitet. Nach harzigem Start hat sich die Equipe aber aufgefangen. Der Rückstand auf den Leader beträgt nur noch vier Punkte. "Alles ist möglich", sagt Trainer Gobeli mit Blick auf die Rückrunde und die Rückkehr auf das Neufeld.
jd. Trainer Gobeli hinterlässt in diesen Tagen einen entspannten Eindruck. Die Probleme des Spätsommers sind weit weg. Damals bekundete die Mannschaft Mühe, haderte mit den ungenügenden Trainingsbedingungen und errang in den ersten fünf Partien nur gerade drei Punkte. Nun dominiert das Gefühl der Zuversicht. Die Mannschaft hat eine beeindruckende Kehrtwende erzwungen und ist nur noch vier Punkte hinter dem Spitzenduo (Roggwil und Muri-Gümligen) placiert. Dazu kommt die sehnlich erwartete Rückkehr auf das Neufeld, die in der Rückrunde "neue Energien freisetzen wird", so Gobeli.
Redaktion: Christoph Gobeli, hast Du mit dem neuen Kunstrasen schon Bekanntschaft gemacht?
Christoph Gobeli: Ja, ich bin darauf herum gelaufen. Zuvor habe ich schon Extra-Stopps gemacht, als ich mit dem Auto vorbei fuhr.
Welchen Einfluss wird der Verein durch die Veränderung der Infrastruktur auf dem Neufeld erfahren?
Der Einfluss wird gross sein. Das Thema "Aufbruch" wird durch alle Teams hindurch präsent sein. Die neuen Trainingsbedingungen sind ein wichtiger Faktor für den Verein, sowohl intern wie auch extern. Als ich Trainingsspiele für die Vorbereitungszeit festmachte, lief mein Telefon heiss. Jeder will gegen uns auf dem neuen Rasen spielen. Die neue Infrastruktur wird den Verein beflügeln und neue Energien freisetzen.
In der Vorrunde hat Deine Mannschaft bei schlechten Bedingungen auf der Allmend trainieren müssen. Inwiefern wird sich der Trainingsbetrieb im "Zwöi" verändern?
Punkto Trainingsfleiss und Trainingsbeteiligung wird eine Steigerung stattfinden. Die Spieler werden schon viel motivierter sein, wenn sie vor dem Training die Tasche packen. Auch die Arbeit des Trainers wird erleichtert: Auf dem Sandplatz musste ich die Spieler zu Beginn immer heiss machen und aufs Training einstimmen.
Die 2. Mannschaft hatte einen harzigen Vorrundenstart. War nach dem Aufstieg im Juni die Luft etwas draussen?
Nicht unbedingt. Hauptgrund waren erstens die schlechten Trainingsbedingungen. Zweitens sind mit Dunkel und Mühlemann zwei Teamstützen verletzungsbedingt ausgefallen, andere waren berufliche abwesend. Zudem war die Quantität im Kader nicht vorhanden.
Wie ist Dir und der Mannschaft schliesslich der Turnaround gelungen?
Nach dem Bümpliz-Spiel (1:3 Niederlage, Anm. d. Redaktion) kam der Spieler Gashi zu mir, beklagte sich über die schlechte Stimmung im Team und forderte, es müsse endlich ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Es wurde eine Sitzung einberufen, in der auch die verletzten Spieler zu Wort kamen. Die Allmend-Situation, damit verbunden die fehlende Garderoben-Atmosphäre, wurde darin oft beklagt ...
Seither wurden die Heimspiele, inklusive Spaghettiessen, wieder auf dem Neufeld vorbereitet ...
Genau. Es wurde aber auch offenkundig, dass die Trainer vermehrt gefordert waren. Das hat mitunter dazu geführt, dass ein privater Sponsor eingestiegen ist (Margrit Gobeli, Anm. d. Redaktion), der uns vor den Spielen mit Bananen, Traubenzucker, Isostar sowie medizinischer Versorgung ausstattet. Ein weiterer Sponsor gibt pro Sieg einen Betrag in die Mannschaftskasse. Damit wurden neue Anreize geschaffen. Die Spieler hatten das Gefühl, gut versorgt und umsorgt zu sein.
Waren dies die Komponenten für den Erfolg?
Ja. Die Motivation wurde gesteigert, die Stimmung und die Trainingspräsenz besser. Beim Ersigen-Spiel (2:0, Anm. d. Redaktion) kam dann die Wende, mit grossartigem Einsatz und Kampfgeist.
Die 2. Mannschaft überwintert nur gerade vier Punkte hinter dem Spitzenduo. Was liegt noch drin?
Alles. Die Gruppe ist sehr ausgeglichen. Die sechs ersten Mannschaften liegen innerhalb von vier Punkten. Für alle Teams ist alles möglich. Nicht nur, aber auch für uns. Auch der Aufstieg ist möglich. Vorderstes Ziel ist aber nach wie vor der Ligaerhalt.
Welches sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rückrunde?
Die Infrastruktur wurde um 100% verbessert. Mit einem intensiven Athletiktraining auf der Bahn und dem Krafttraining im Boxkeller von Arati sind die Rahmenbedingungen da. Jetzt ist der Einsatz jedes Einzelnen gefragt. Wichtig ist aber auch, dass die Vorbereitung ein kollektives Erlebnis darstellt.
Im FC Bern bist Du v.a. als Juniorenausbildner bekannt. Wie hast Du den Wechsel in den Aktiv-Fussball nachträglich erlebt?
Am Anfang hatte ich Mühe, dann habe ich mich daran gewöhnt. Vor zwei Jahren habe ich gesagt, wir müssten innert zweier Jahre aufsteigen. Dies ist uns gelungen. Erleichtert hat mir, dass ich viele Spieler schon aus der Juniorenzeit kannte. Das hat sozusagen zu einem nahtlosen Übergang geführt. Im Aktiv-Fussball ist mehr Härte gefragt. Als Trainer musst du weniger Rücksicht im Sinne der Ausbildung nehmen.
Also mehr Leistung und weniger Ausbildung?
Ja genau. Der Aktiv-Fussball ist resultatbezogener. Wenn ich zum Beispiel während der Partie einen Spieler einwechsle steht das Resultat im Vordergrund und nicht die Ausbildung. Im Training hingegen wird trotzdem noch technische und spielerische Ausbildung betrieben.