
Wenn man dem Gegner das Spiel diktiert, sich ein Chancenplus erarbeitet und in der Nachspielzeit das 0:1 kassiert, dann spricht man von einer "bitteren Niederlage." Bern II verliert in Lyss nach vier Siegen in Serie erstmals wieder.
jd. Der Torhüter des SV Lyss war der Mann des Spiels. Wiederholt warf er sich wie eine Raubkatze auf nahende Gefahren, hechtete von einer Seite auf die andere, streckte sich und schnippte unmögliche Bälle über die Latte. Der Mann schien das Tor hinter sich verriegelt zu haben. Der FC Bern und seine Stürmer Gashi (die Strafraumschlange) und Steiner waren der Verzweiflung nahe. Doch der FC Bern muss sich auch den Vorwurf gefallen lassen, zu leichtfertig mit Torchancen umgegangen zu sein. Zum Beispiel in der Phase nach dem Seitenwechsel, als Bern eindeutig die bessere und gefährlichere Mannschaft war, vor dem gegnerischen Tor jedoch zu wenig kaltschnäuzig agierte. Als Beleg dient eine Szene aus den Schlussminuten: Der eingewechselte Erceg sah aus linker Position den freistehenden Wegmüller, bediente diesen mit einem präzisen Seitenwechsel, worauf Wegmüller den Ball von der Brust abklatschen liess und direkt den Torerfolg suchte, jedoch über das Gehäuse schoss. Auch Ameti schoss übers Tor, als er kurz danach auf der 16m Höhe frei zum Schuss kam. Stattdessen schlug der Blitz auf der anderen Seite ein, als der SV Lyss in der 92. Minute nach einem Konter den Siegtreffer erzielte.
Die Niederlage ist für das Team von Trainer Gobeli umso bitterer, weil die Mannschaft für eine ansprechende Leistung hätte belohnt werden müssen. Angefangen bei Torhüter Gerber, der in den wenigen gefährlichen Szenen stets souverän wirkte, über die Verteidigung um Abwehrturm Koch und den erstaunlich abgeklärten 19-jährigen Burri und eine erneut gut funktionierende Schaltzentrale mit Schwarz und Ameti, die ein herausragendes Laufpensum abspulte. Besonders die Leistung von Ameti verdient eine Würdigung: Der Berner Regisseur verlor praktisch keinen Zweikampf und offenbarte eine leidenschaftliche Leistung. Auch die gesamte Offensivabteilung, angeführt durch Interimscaptain Steiner, überzeugte durch beherztes Engagement. Einsatz und Laufbereitschaft waren in diesem Sonntagsspiel um Klassen besser als eine Woche zuvor in Gümligen, wo man gegen Stella-Azzurra mit 2:1 als Sieger vom Platz ging. Die Mannschaft muss diesen Weg weitergehen und im letzten Spiel vom nächsten Sonntag erneut drei Punkte anstreben, damit der Anschluss an die vorderen Plätze erhalten bleibt.
Matchtelegramm:
SV Lyss - FC Bern 1:0 (0:0)
Lyss. - 120 Zuschauer.
Tor: 92. Lyss 1:0.
FC Bern: Gerber; Frutig, Burri, Koch, Steffen; Kocher, Ameti (82. Zarkov), Schwarz (75. Erceg), Wegmüller; Steiner, Gashi (80. Mastroianni).
Bemerkungen: Bern ohne Wyssbrod (Ersatz), Jucker, McNally, Moser, Dunkel und Mühlemann (alle verletzt), Gobeli (Ausland), Miescher (gesperrt), Berisha und Barrio (noch nicht spielberechtigt).