"Wenn die Kameradschaft stimmt, kommt der sportliche Erfolg von alleine"

Neben dem 5. Rang der 1. Mannschaft, dem Aufstieg vom "Zwöi" und dem Bernermeistertitel der A-Junioren gibt es beim FC Bern einen weiteren sportlichen Grosserfolg zu vermelden: Die Senioren sind in die 1. Stärkeklasse aufgestiegen! Der Gründer Christian Götschmann zieht ein Fazit über die letzten zwei Jahre, erzählt uns von seinen Freistosskünsten und sagt, warum die Senioren wichtig für den Verein sind.

Cluborgan "dr Bärner" 2/09. Aufgezeichnet von David Mühlemann.

Christian Götschmann über ...

Die Gründung der Senioren:

Im Sommer 2007 hab ich einige Wochen vor Saisonstart angefangen Spieler für eine Seniorenmannschaft zusammen zu trommeln. Mittlerweile haben wir ein Kader von 21 Spielern, wovon die meisten 2. Liga oder 3. Liga Erfahrung mitbringen. Ehemalige Bern-Spieler sind neben mir: Rutishauser, Del Piano, Hirschi, Michael Zaugg, Manuel Fortes und René Wegmüller. Ansonsten sind fast alle Spieler Freunde und Nachbarn.

Die Wyler-Connection:

Rutishauser, Del Piano, Hirschi und ich sind von Kindsbeinen an befreundet. Wir sind gemeinsam beim FC Wyler gross geworden und haben dort später um den Aufstieg in die 1. Liga gespielt. Es ist toll bei den Senioren wieder gemeinsam auf dem Fussballplatz zu stehen.

Trainingsintensität:

Wir trainieren jeden Dienstag. Das Problem ist, wie bei den meisten Senioren-Mannschaften, dass die Spieler ziemlich ausgebucht sind. Trotzdem sind wir eigentlich nie unter zehn Spielern im Training, was doch ein sehr guter Schnitt ist. Das "Mätchlen" steht bei uns im Training im Vordergrund. Wir sind in einem Alter angelangt, wo der Genuss des Spiels im Vordergrund steht.

Stärken:

Der kameradschaftliche Zusammenhalt ist unsere grösste Stärke. Wenn zehn Spieler im Training sind, sind danach auch zehn Spieler in der Beiz. Wir sind unberechenbar und haben einige Spieler wie Toni Pagano, Luca Del Piano, Ronald Kiener oder mich, die ein Spiel mit einem Geniestreich entscheiden können.

Topskorer:

Unser Topskorer ist Luca Del Piano mit 20 Toren. Sein Ziel ist es möglichst viele Tore zu schiessen. Er ist immer noch derselbe wie vor 25 Jahren. Manchmal ist er ein bisschen übermotiviert (lacht). Ich komme mit meinen neun Toren übrigens schon an zweiter Stelle.

Kondition:

Mit Roger Hediger und Christoph Burri haben wir zwei Leichtathleten im Kader, die bei uns gelernt haben Fussball zu spielen. Die sind natürlich topfit. Aber Luca ist auch hier vorne dabei.

Götschmanns Freistosskünste:

In der Vorrunde mussten wir in einem der letzten Spiele bei eisigen Temperaturen in Langenthal antreten. Wir brachten genau 11 Spieler zusammen. Ob gut, schlecht, alt oder dick: Alle spielten. Nach fünf Minuten holte sich unsere Koryphäe Michu Zaugg eine Zerrung und wir spielten praktisch zu zehnt. Nach 50 Minuten führten wir unter anderem dank einem Freistosstor von mir mit 2:0. Da bekamen wir einen weiteren Freistoss zehn Meter hinter der Mittellinie zugesprochen. Ich dachte mir: Spielst du irgendeinem, dann verlieren wir den Ball wieder. Also hab ich zum Schuss ausgeholt. Wegmüller rief noch: "Fang jetzt nicht an zu spinnen! Du magst nicht mal bis zum Tor!" Mein Flatterball schlug direkt unter der Latte ein zum 3:0. (lacht)

Bedeutung der Senioren:

An erster Stelle steht die Identifikation mit dem Verein. Das ist natürlich bei uns ein bisschen problematisch: In jedem anderen Verein hast du Spieler, die jahrelang bei ihrem Stammklub gespielt haben und dann zu den Senioren wechseln. Wir sind halt so etwas wie Lückenfüller, damit die jetztigen Spieler des "Eis" und "Zwöi" vom FC Bern später eine Mannschaft haben, um ihre fussballerische Kameradschaft weiterzuführen. Natürlich sind die Senioren auch da, um die Spieler weiterhin an den Verein zu binden und so auch eine Basis an "richtigen" FC Bernern zu generieren. Von dort kann man dann auch sozialkompetente Leute für den Vorstand gewinnen.

Ziele:

Mein persönliches Ziel ist ein Kader von 20 Leuten und eine Trainingsbeteiligung von 60 bis 70%. Die Kameradschaft sollte immer an erster Stelle stehen und wenn das alles stimmt, kommt der sportliche Erfolg von alleine. Schliesslich macht Gewinnen auch im Alter mehr Spass als zu verlieren!